Denken

Hörtaktik - Denk- und Kombinierfähigkeit

Während des geistigen Verarbeitungsprozesses muss der Schwerhörige das in der Zwischenzeit wahrgenommene audio-visuelle Material - denn der gut Hörende spricht ja weiter - speichern, bis der Sprech- und Denkprozess abgeschlossen ist.

Das heißt hören, absehen, beobachten, speichern, kombinieren und verarbeiten sowie Reaktionen müssen gleichzeitig geleistet werden.

Unter ungünstigen Bedingungen wie z.B.

  • störenden Nebengeräuschen (Nachhall von den Wänden, Lärm, Stimmengewirr),
  • zu schnellem Sprechen,
  • schlechtem Mundbild und/oder
  • ungünstigen Lichtverhältnissen

muss der Schwerhörige die Wahrnehmungslücken (z.B. einzelne Wörter in einem Satz) gegebenenfalls mit den darauffolgenden Höreindrücken zu einem inhaltlichen Sinn kombinieren.

In solchen Gesprächen ist die Situation des Schwerhörigen oft der eines Rätselraters vergleichbar.

Oder der eines Deutschen, der mit seinem Schulenglisch einer lebhaften amerikanischen Gesprächsrunde zu folgen versucht.

Da er ständig das Gehörte in die eigene Sprach- und Denkwelt übersetzen muß, entstehen zwangsläufig Versteh- und Wissenslücken.

Es liegt auf der Hand, dass mit der Dauer des Gespräches die Kräfte nachlassen und dadurch die Kombinations- und Konzentrationsleistung des Schwerhörigen beeinträchtigt wird.

Verständlich, dass er auf die ständige Überforderung mit Rückzugstendenzen, d.h. mit dem Bedürfnis nach Alleinsein, reagiert.

 Denn die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden ist oft leichter zu ertragen, als die Einsamkeit in der Gesellschaft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kommunikation vom Schwerhörigen ein hohes Maß an Konzentration, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit verlangt und eine ständige Anspannung bewirkt.

Sie können dem Schwerhörigen die Kommunikation erleichtern, indem Sie auf der Seite "Verhaltensregeln"  achten.